Bemmen in Sieglar

Bereits in der Familiengeschichte wird vom Bemmen der Glocken zu hohen Kirchfesten berichtet.
Auch in verschiedenen Orten im Rheinland findet man Hinweise auf das Anschlagen der Glocken von Hand… Insbesondere in Buschhoven, Roisdorf, und Bornheim wird über das Beiern (wie das Bemmen auch genannt wird) berichtet.
Ob diese Tradition mit der hier niedergelegten Familiengeschichte zusammenhängt weiß ich nicht zu sagen, Ich kann lediglich über die Tradition in Sieglar berichten, welche ich seit meiner Kindheit miterlebt habe und von meinem Vater Josef erlernen konnte.
Seit 2017 versuchen wir diese Tradition wieder aufleben zu lassen und neue Aktive zu finden.
Mit dem Jungesellenverein von Sieglar haben wir neue Glockenspieler gefunden welche bereit sind die Tradition zu erhalten.
Auf der Homepage von Peter Pfeffer (www.beiern.de) wird das Beiern/Bemmen anschaulich beschrieben.
Die Vorrichtungen und Melodien sind von Glockenturm zu Glockenturm unterschiedlich und stark von den Möglichkeiten des Glockenstuhls abhängig.

Gebemmt wird in Sieglar seit 1725. Viele Generationen kräftiger Jungen waren bereit das Glockenspiel zu erlernen und weiter zu geben. Die Stücke wurden mündlich überliefert. Tonaufnahmen aus dem Jahre 1972, 1980 und aktuelle Aufnahmen existieren.
Wir in Sieglar haben 4 Glocken, welche in Reihe hängen und somit von zwei Spielern jeweils 2 Glocken gespielt werden. Um ein Proben der Stücke möglich zu machen wurde ein Modell des Glockenstuhls gebaut, an dem anschaulich die Technik des Bemmens zu demonstrieren ist und mit dem ein Proben möglich wird.

Auf den Beiden großen Glocken (Johannes-Glocke (d‘-2) aus dem Jahr 1952 und Maria-Glocke (f‘-2)aus dem Jahr 1950) werden Schlagmuster in regelmäßiger Abfolge gespielt. Diese sind festgelegt und haben die Namen: 4-Schlag, Bim-Bau, Jroße Puus, Limbachs-Lauch, Reeder, Walz und Marsch.
Ergänzend spielt der zweite Spieler die Johannes-Glocke (g‘-1) von 1950 und die historische Claren-Glocke (a‘-3, von 1838) im freien Takt zwischen den Grundschlägen der großen.

Um die Glocken spielen zu können ist es notwendig diese zunächst fest zu hängen. Dazu werden die Motoren der Glocken abgeschaltet, damit nicht durch versehentliches Einschalten des Geläutes ein Unglück geschehen kann. Anschließend wird das Joch der Glocke durch eine Eisenschiene und ein Ankerseil mit dem Glockenstuhl verbunden.
Zusätzlich werden die Antriebsräder der beiden großen Glocken mit einem Balken blockiert. In dieser festen Position der Glocken können nun die Klöppel der Glocken mit Seilen an großen verstellbaren Wandhaken angebunden werden, so dass durch Zug am Seil die Glocke angeschlagen (gebemmt) werden kann.

In Sieglar wird diese, bis heute überlieferte, Art des Glockenspiels schon 1725 benannt.

Die Spielstücke wurden nur mündlich weitergegeben, wodurch sich die Art und die Melodien immer wieder veränderten. Oft sind daher die gespielten Stücke mit denen in anderen Gemeinden nur wenig vergleichbar. 

Die noch bekannten Bemmer waren:
Brenner (Senior, genannt Betty)

Christian Benner, Peter Brungs und Willi Siegmund

Heinrich, Mathias und Josef Kelterbaum

Heinrich Schänzler, Adolf Kuhla, Josef Bornheim, Ernst Novara, Johannes Overath
und als Lehrling: Norbert Kreuzer (ca. 1970)

Josef Bornheim, Achim und Bernd Rickert (ca. 1978)

Josef Bornheim, Andreas Bornheim, Andreas Peters, Rainer Bornheim , Norbert Bornheim, Achim und Bernd Rickert (ca.1985)

Josef Bornheim, Andreas Bornheim, Rainer Bornheim (ca.1995)

Kein Bemmen von 2000-2016

Neue Generation:
Andreas Bornheim, Björn Peukert, Marc Schell,
Stefan Hesse, Jan Laufenberg, als Senior: Josef Bornheim (ab 2017)

Bericht im Rundblick vom April 2018