Wilhelm II

DIE LINIE ZU SECHTEM-DERSDORF

Die Abzweigung dieses Astes behauptete zuerst Oidtmann (persönliche Mitteilung; Sammlung in der Universitätsbibliothek).
Die Familie saß allem Anschein nach auf der „grauen Burg“ zu Sechtem, einem der ältesten Sitze der Umgegend (Kunstdenkm. d. Kr. Bonn, S. 366, dort irrig als der älteste überhaupt angegeben).
Sie scheint bereits im 12. Jahrhundert ausgebaut gewesen zu sein, da die: damaligen Eigentümer, die Edelherren von Saffenburg, sie zeitweise bewohnten.
1137-1151 treten Mitglieder einer Familie v. Sechtem auf, die nach ihren Vornamen jedoch nicht zu unserem Stamm gehören.
Wie die
gleichzeitigen v. Bornheim standen sie in Beziehung zu dem Kloster Siegburg (v. Stramberg im Rhein. Antiquarius, III. Abt. Bd. 12, S. 245).
In Bonn soll es bereits im 14. Jahrhundert eine Patrizierfamilie gleichen Namens gegeben haben.

Wilhelm I. genannt Schilling a. d. Hause Bornheim besaß schon ein Allod zu Sechtem, das bei Schillingskapellen erscheint (s. S. 21). Im 12. Jahrhundert war das Dorf eine Lehnsherrschaft der v. Saffenburg, von denen es die Gräfin v. Sayn erbte, die es 1283 dem Kölner Dom übertrug. Zu dieser Zeit, während der allgemeinen Teilungsperiode der v. Bornheim, erhielt ein Zweig dieses Geschlechtes die Belehnung damit. 1249 findet sich ein Heinrich v. Sechtem, benannt nach dem bereits von den Römern besiedelten Ort (Maaßen, Gesch. d. Dek. Hersel, S. 224).

Durch Heirat geht der Dersdorfer Hauptanteil an die v. Gymnich über, die bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Sechtern begütert waren. Danach verlagert sich der Besitz der Nebenlinie hauptsächlich nach Villip, wo, wie in Dersdorf, keine eigentliche Burg bestand und die Familie sich anscheinend, nach ihrem Höhepunkt im 14. Jahrhundert, mit dem bäuerlichen Landadel verschmolz.
Die angeführte Landkarte von 1583 führt weder in Sechtern noch in Villip oder Dersdorf Herrensitze auf. Der letztgenannte Ort im Kirchspiel Brenig stand zu den Bornheimer Herren in einem alten Abhängigkeitsverhältnis: Zwei Dersdorfer Güter, das Dremmergut und das des Jakob v. d. Maesen mussten auf dessen Geheiß in Kriegszeiten je einen bewaffneten Reiter mit Pferd stellen (Maaßen a. a. 0., S. 74). Zu Anfang des 16. Jahrhunderts gelangte Burg Sechtem in den Besitz der Kölner Familie v. Siegen.

Außer dem Besitz bekräftigen Vornamen wie Wappen (s. darüber S. 190 b) die Zusammengehörigkeit der Familien Sechtem und Bornheim. Der Vorname Reinhard ist Leitname; diesen führt zuerst Rener I. 1216 (wohl noch als ganz junger Mann), der Sohn Wilhelms II. v. Bornheim (s. S. 28). Vielleicht ist jener der Stammvater der Linie, die übrigens nie den Beinamen Schilling führt. Er wäre dann identisch mit: Reinhard I. v. Sechtern, am 1. 9. 1170 Bürge bei der Stadt Köln für Heinrich v. Bertinsdorf mit neun andern, wobei Werner v. Rode siegelt (Ennen u. Eckertz, IH. S. 14. -Richardson, Merode H. S. 164).

Sein Sohn: N. v. Sechtern.
Dessen Söhne:
1) Reinhard II v. S., s. unten.
2) Godhard I. v. Sechtem, Ritter, 1341 Siegelzeuge bei Ludolf 1. v. Bornheim mit seinem Bruder; als „Gottfried“ ebenso 1347 (StaatsarchivDüsseldorf, Deutschordenskommende Köln. Nr. 43/190).
∞ Gutgin, 1394 Witwe. Ihre Söhne (anscheinend erst sehr spät geboren):    
a) Godert II. v. S., 1394 mit der Mutter erwähnt.    
b) Dietrich I. v. S., trägt 1394 mit Mutter und Bruder dem Heinrich Voß von Lechenich vor den Schöffen von Brenich eine Erbrente von zwei Fuder Wein auf (Archiv Gracht), wobei die Schöffen siegeln.
∞ Margarethe v. Drimborn (Drieborn), Tochter des Ritters Johann v. Drimborn, Amtmanns zu Zülpich (Wappen: ein Schräg-rechts-Löwe belegt mit einem Schräg-rechts-Faden), und der Gertrud. Margarethe besitzt 1398 als Witwe des Knappen Dietrich v. S. Grundstücke bei Froitzheim, die dem Herzog v. Jülich lehnsrührig sind. (Strange XII. S. 116.-Archiv Harff, Urk. Nr. 165.)
3) ? Hermann I. v. S., Kleriker, 31. 5. 1350 bis 1.12. 1376 erwähnt (Sauerland, III, 849, 846; V, 1257).
4) ? Johann I. v. S., s. S. 43.

Reinhard II v. S., mit seinem Bruder 1342 als Siegelzeuge (Alfter, Hurtsches Copiar, Bd. 34, S. 856-57); erscheint 1347 mit den Söhnen:
1) Reinhard III. v. S., erklärt 1347 mit Vater und Bruder auf Grund eines eingeholten Zeugnisses der Geschworenen zu Sechtem, dass der ihnen gebührende Zins von vier Maltern Roggen und einer Kurmonde nicht auf dem ganzen Hof der Brüder vom Hirtze laste, sondern nur auf 12 Morgen, die von Goswin v. Alfter herrührten. Es siegeln dabei der Erzbischof, die Aussteller, der Knappe Dietrich v. Rode und die Brühler Schöffen (Staatsarch.Düsseldorf, Carmeliter Inv. Nr. 44/10).

2) Florkin I. (Florekin, Floerkin, Floris usw.) v. Sechtem und Dersdorf (Darstorp), ab 1347 erwähnt, 1367 Bürge für das Landfriedensversprechen des Engelbert v. Orsbeck und Schavarts v. d. Balen (Meyer, Aachener Gesch.I. S. 338). Am 25. I. 1370 erwähnt Arnold v. Boland, dass er zur Zeit als Landvogt des Landfriedens zwischen Maas und Rhein von Florkin verwundet worden sei (Kelleter: „D. Landfriedensbünde i. 14. Jahrh.“, S. 33). 1362 findet Florkin sich in der Eheberedung Margarethes v. Bornheim, der Schwester seiner Gattin; bei deren Gatten findet er sich auch nach Fahne 1366. Am 21. 1. 1368 besiegelt er mit Ritter Peter v. Gymnich eine Urkunde des Wäpeling Kreuwel v. Rode, mit gegittertem Balken und der Legende: ,,S. Domini Florkini de Burnheim“(Inv. Carmeliter 89), wobei der gekrönte Topfhelm den Drachenkopf zeigt, und er ausdrücklich als „Dominus“ auftritt. Am 2. 6. 1372 urkundet er als Vogt v. Bornheim über Güter im Kirchspiel Waldorf (Invent. Ursula, 106). Vielleicht besaß er schon vorher, durch Ankauf von Margarethe v. Bornheim, Rechte zu Bornheim. Peter v. Gymnich soll bereits 1360 als Erbvogt zu Bornheim erscheinen (Gotha, Uradel 1917, S. 374). Strange will Peter v. Gymnich als zweiten Gatten Elises v. Bornheim gelten lassen, er war aber der erste, denn Peter starb um 1372. Florkin ∞ a kurz nach 1372, Elise v. Bornheim genannt Schilling, Erbtochter zu Bornheim Witwe Peter v. Gymnichs. † vor 1379 (s. S. 36). ∞ b vor 1379 Elise v. Kerpen, aus einer bedeutenden dynastischen Familie, eines Stammes mit den Manderscheidt (Tochter Conrads Herrn v. Kerpen und der Elise v. Mersch, s. Ahnentafel 6); ihre Schwester ∞ Johann v. Alfter zu Heimerzheim. Am 25. 5.1379 siegelt sie bereits als Witwe Florkins mit einem gespaltenen Schild: rechts dem Dersdorf-Bornheimschen Wappen, links dem Kerpenschen: in Weiß ein dreimal gebrochener roter Zickzackbalken, über diesem ein dreilatziger blauer Turnierkragen. (Der Kerpensche, gekrönte, Helm zeigt in weißem offenem Flug den Zickzackbalken wieder.) Stadt-Arch. Nr. 3239.  
Ihre und Florkins I. Tochter:
Elise v. Dersdorf-Sechtem, 1404 Witwe, ∞ Wilhelm Beissel v. Gymnich, ab 1379 erwähnt, Ritter, der sie,        seine Nichte, aus Köln entführt hatte. Am 9. 9. 1396 sichern ihm Bürgermeister und Rat der Stadt         Straflosigkeit dieserhalb zu, und am gleichen Tag leistet er Urfehde bezüglich der Schritte, welche die Stadt         aus diesem Grunde gegen ihn getan hat (Ennen, VI, S. 373-374). Er war der Sohn Peter v. Gymnichs         und der Elise v. Bornheim, die in zweiter Ehe mit Florkin verheiratet war; seine Urenkelin ehelichte Gerard        Scheiffart v. Merode-Bornheim, wie auch die Gattinnen seiner beiden Söhne aus dem Hause Merode         stammten. Die Dersdorfer Anteile fielen dadurch über die Beissel an die Merode; Wilhelm Beissel v.         Gymnich stiftete zwei selbständige Linien, eine zu Dersdorf und eine zu Bornheim.
3) ? Johann 1. v. S., Sohn des N. v. S. (s. S. 42), am 20. I I. 1371, 20. I. 1374, 19. I. 1391 wie auch am 8. 4. 1391 erw., vielleicht der Stammvater der v. Sechtem zu Sechtem, später zu Villip (Sauerland V, 869, 1005; VI 320, 349).    
Dessen Sohn wohl:
Reinhardt IV. „der Alte“, nach Reinhardt II. getauft? Dessen Sohn:     Reinhardt V. „der Junge“; 1413-1424, Lehnsmann .des Erzbischofs von Köln (vielleicht ein Großneffe Reinhardts II. ?), unter den Zeugen, welche das Weistum von Boilheim anerkennen; besaß einen Hof zu Mülheim bei Wichterich (Bolheimer Archiv, Schloß Schleiden. -Strange VIII, S. 76).     ∞ Ailke v. Bulich, Tochter von Heinr. Schall v. Bulich und Nesa v. Wilre.     Der gleiche 1424 als „der Junge“ mit „Oelke sein ehelig Weib Heinrich Schall v. Bulich’s Schwester“ als Zeuge beim Verkauf des Hofes Schallenrodt im Kirchspiel Vochem an das Kloster St. Barbara in Köln (Prozeßakt     Gymnich contra Monreal, Staatsarch. Wetzlar 263/1806).
Sein Sohn:
Reinhardt VI. v. S. zu Villip, als Lehnsmann des Abtes Wilhelm v. Siegburg behufs der Kinder des verstorbenen Gise Kessel v. d. Nürburg vom Hause Oldenhausen und 14 Morgen Acker usw. 1477 erwähnt (Prozeßakt. Gymnich- Monreal; Strange VI, S. 79).     Die Belehnung bezüglich der Kessel v. Nürburg scheint von dem 1488 verstorbenen Stephan v. Bulich auszugehen (Fahne, Köln. GeschI. Bd. H, S. 77). Reinhardt war auch im Streit mit dem Burggrafen v. Drachenfels wegen des Zehnten zu Villip (Arch.Harff). ∞ N. N.
Ihre Kinder:
a) Emmerich I. v. S., 1494 ebenfalls von Siegburg belehnt für Catharina v. Kuchenheim (auch als v. Odenhausen bezeichnet), Witwe des Gyse Kessel v. d. Nürburg (Strange VI, S. 79). -1517 verkauft Emmerich mit seiner Gattin eine Rente, wobei sie Haus und Hof zu Villip, ein halbes Haus zu Roisdorf und einen Weingarten „up me Ryffenberg“, lehnsrührig an den Stabloer Lehnhof zu Remagen, zum Pfand bieten     (Archiv Harff 963 Urk.). ∞ Margarete v. Edelkirchen (im Wappen ein Ankerkreuz).
Ihr Sohn wohl:
Emmerich II. v. S., verkauft am 5. 8. 1539 mit seiner Gattin an Margarethe v. Gymnich, Witwe v. Dadenberg, einen Anteil an Weingarten aus der Erbschaft Roisdorf; Schultheiß und Schöffen         von Alfter siegeln dabei; zwei Siegel fehlen (Stadt-Arch. Köln), † vor 1544. ∞ Elisabeth N . (als Witwe         ∞ b vor 1544 Mathias v. Poppelstorff zu Villip, was dieser, ungefähr 30 Jahre alt. im genannten Jahr         bezeugt. Proz.-Akt. Gymnich-Monreal).
b) Catharina, ∞ vor 1485 Reinhardt v. Weiß, Knappe, verkaufen 1485 an Heinrich v. Vlatten ihren obersten Hof zu Kempen bei Froitzheim (Richardson 11, S. 234). Ihr Sohn war wohl Reinhardt v. Weiß (im Wappen Löwe und Turnierkragen), der Emmerich I. zum Onkel hat.     Heinrich v. Vlattens Vorfahren besaßen bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Güter zu Froitzheim, wie auch Diethrich I. v. Sechtem (Strange XII, S. 126/127).