Rille

DIE LINIE v. RILE

Schon Fahne behauptete einen Zusammenhang zwischen den Schilling v. Bornheim und den v. Rile, freilich ohne in seinen lückenhaften Angaben nähere Belege oder gar eine größere Stammtafel zu geben. Einmal spricht er von dem kölnischen Schöffen dieses Namens, dann bezieht er sich durch ein „Von den Schilling v. Rille finde ich auch“ auf etwas gar nicht vorher Angeführtes, das solchen Hinweis rechtfertigen könnte.

Die Abzweigung von der Stammfamilie liegt nach ihm nach Wilhelm II., Vogt v. Bornheim; die Tatsache dieser Abzweigung wird durch die bei den Rile gebräuchlichen Vornamen, den Nachnamen I und die Stellung dieses Geschlechts in der erzbischöflichen Verwaltung unterstrichen.
– Riehl, heute ein eingemeindeter Kölner Vorort, lag damals ein gutes Stück außerhalb der Stadtmauern rheinabwärts, war jedoch gerade wegen dieser Lage für die Befestigung und Verteidigung der Stadt außerordentlich wichtig, weshalb der Erzbischof die Aufsicht über diesen Ort mit einem seiner Getreuen besetzte. Von der Burg selbst finden sich indes keine Spuren mehr;1262 wurde sie von den Kölnern erstürmt. Die Schilling v. Rile bewahrten diesen Sitz jedoch nicht lange; so kommt es, dass sie vielleicht ihren Lehnsnamen bald wieder ablegen und „Schilling“ zum Familiennamen wird – genau die umgekehrte Entwicklung wie bei den v. Bornheim. Darin beruht auch wahrscheinlich ihr Aufgehen im Kölner Stadtpatriziat, jedoch nicht in das eigentliche Bürgertum, wie die Ehe mit einem Mitglied des Landadels, nämlich Johann v. Eller, u. a. im 15. Jahrhundert beweist. Die bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts hinein in Köln zahlreich auftretenden v. Rile gehören nicht in diese Familie, sondern nennen sich einfach nach ihrer Herkunft aus Riehl, wie es auch später noch zu beobachten ist.

Zweifelhaft allerdings ist dies bei Gerard v. Rile genannt Junchere, der 1250 mit seinen Weingärten bei Riehl, Mauenheim und dem Eigelstein erwähnt wird (Regest. 1580) und ebenso 1251 (Regest. 1619); auch über Johann v. Rile, der 1259 als Schöffe eingesetzt wie Everhard v. Bornheim (Regest. 2047), dem Bischof also nahe stand, ist über diesen Punkt keine volle Klarheit zu erlangen; das Fehlen des Schilling jedoch weist die beiden wohl ebenfalls einer anderen ritterlichen Familie zu. Eine Verwandtschaft hierzu kann, etwa durch Heirat einer Erbtochter, angenommen werden, sie ist sogar bei dem nicht aufzudeckenden Familiennamen der Frau Wilhelms H. v. Bornheim und den verwickelten Besitzverhältnissen des Geschlechts gerade in der kritischen Zeit, der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts also, anzunehmen, da dies der gebräuchlichste Weg zur Erlangung eines Lehens war. Das Wappen der Schilling v. Rile gelang mir nicht zu finden, was doppelt bedauerlich ist, da es manche Zweifel klären könnte. – Das „Stadtpalais“ der Familie war wohl der Riehler Hof in der Marzellenstraße, nahe dem Eigelsteiner Tor und in der Richtung auf Riehl zu gelegen. Er wurde später nach seinem Erwerb durch den Landgrafen v. Hessen 1688 Hessenhof genannt und 1906 abgebrochen, wobei nur der schöne sechseckige Treppenturm, früher fast bei allen Kölner Patrizierhäusern zu finden, bis in unsere Tage stehen blieb. –

Wilhelm I. Schilling v. Rile ist der Stammvater der Familie, wahrscheinlich als Sohn Wilhelms II. v. Bornheim (s. S. 28), auf diesen bei den Schilling beliebten Vornamen getauft wie sein Bruder. Brüder gleichen Vornamens (z. B. bei den v. Lyskirchen) sind oft nachgewiesen, zumal aus verschiedenen Ehen, d. h. von verschiedenen Müttern; da der Name Schilling v. Rile vorher nicht vorkommt, muss die Abzweigung um diese Zeit und in diesen Generationen liegen (Fahne gibt eine Generation um 1235, dabei auch zwei Brüder Gerard und Johann, diese wohl die oben erwähnten, deren Vater aber unbekannt bleibt). Nach Fahne war seine Gattin Sophia Hardevust, Tochter von Pilipp Hardevust, † 1271, und Elisabeth Buntebart; diese Ehe kennt auch Lau, jedoch keine mit einem Rile verheiratete Tochter daraus. – Als Erzbischof Sifrid am 16. 8.1279 die Kölner Burggrafschaft zurückkauft, befindet sich Ritter Schilling v. Rile unter den Zeugen (Regest. 2809). Er starb vor dem 31. 5. 1310. – ∞ Bela.

Ihre Kinder:
1. Wilhelm H., s. unten.
2. Bela, Nonne im Kloster St. Agnes, verkauft am 31. 5. 1310 an Werner v. d. Aducht (Schrn,b. 22, S. 62).
3. Florkin I., 1280 nach Fahne erwähnt, als Florence bei Classen (Geneal. Notizen, Kölner Stadtarch. S. 37).
4. Johann I. Sch. v. R., bei Fahne 1292 und 1308 erwähnt, sicher hierher als „der Ältere“zu setzen, da 1342 Wilhelms H. gleichnamiger Sohn „der Jüngere“ genannt wird. 1316 besitzt ein Johann Sch. ein Haus in der Kämmergasse (Keussen, Topographie).

Wilhelm H. Schilling v. Rile, Ritter, bei Fahne als Schilling, nach Lau-Baumeister bereits um 1300 mit seiner ersten Gattin urkundend. Am 23. 7. 1322 siegelt Wilhelm, genannt Schillinch, beim Kunibertsstift, wobei leider sein Siegel verlorengegangen ist (Inv. Kunibert 174). Samstag „nach Oculi“ 1331 findet sich Dominus Wilhelm Sch. de Rile mit seiner zweiten Gattin und seinem Haus zum Stern, Marzellenstraße (Schrnsb. 379, S. 14). 1336 wird Land beim Hofe des Ritters Sch. v. R., ohne Vornamen, erwähnt (Keussen, Topographie). Zuletzt tritt er 1342 mit seiner zweiten Gattin auf (Schrnsb. 27, S. 73).

∞ a) vor 1300 (?) Elisabeth v. d. Aducht, Tochter Walthelms v. d. Aducht und Odelindis v. d. Scheuren (der Schwester seiner Tante Richardis v. d. Scheuren, der Gattin Wilhelms III. v. Bornheim). Elisabeth v. d. Aducht † vor 1331.
Ihre Kinder:
1. Gertrud Sch. v. R. † vor 1335 ∞ Gerard Quattermart in der Straßburger Gasse (Lau-Baumeister; Classen).
2. Gerard I. Sch. v. R. (Fahne-Classen).
3. Bela Sch. v. R. (Fahne-Classen), Nonne.

∞ b) Christine N., erw. 1331-1342.
Ihre Kinder:

4. Wilhelm III. Sch. v. R. Mönch in St. Martin zu Köln, 1342 in der Erbteilung erwähnt.
5. Johann II. Sch. v. R. (s. S. 47)
6. Sophia Sch. v. R. Nonne zu Dünnwald, 1342.
7. Blytza Sch. v. R. Nonne zu Dünnwald, 1342.
8. Drude Sch. v. R. Nonne zu Dünnwald, 1342.
9. Christine Sch. v. R. Nonne zu Dünnwald, 1342.
10. Hadwig Sch. v. R. Nonne im Kloster Sion, 1342.
11. Bela Sch. v. R. Nonne im Kloster Sion, 1342.

Johann II. Sch. v. Rile, 1342 unter seinen Geschwistern „der Jüngere“ genannt (Schrnsb.27 S. 73), findet sich am 29. 4. 1331 als Johann de Rila, Prokurator des Stifts St. Severin, der auf eine Klageschrift antwortet (Regest. 1953), ebenso (ohne Schilling) 1349 und 1354, ausdrücklich als Sohn des verstorbenen Herrn und Ritters Schilling v. Rile (Schrnsb. 174, S. 36, 42, 96) und am 6. 8. 1382 als er mit seiner Gattin Haus Luweghin verkauft. Diese Gattin, schon 1349 mit ihm erwähnt, hieß Druda (oder Gertrud). Nun findet sich der Name Schilling in Köln während des 14. Jahrhunderts sehr häufig, und zwar als Beiname von Söhnen ganz anders benannter Väter, dazu noch ebenfalls solcher, die Johann heißen. So hat z. B. der 1365 schon Verstorbene Joh. vamme Rode mit seiner Gattin Nese, 1359 Witwe, einen Sohn Johann genannt Schilling (Schrnsb. 292, S. 44, 62), mit seinem Hausplatz „zumme rade“. Oder bereits 1330 erscheint Johann de porta ∞ Hadewig mit seinen Söhnen Hildeger, genannt Schilling, und Heinrich ∞ Christine sowie ihrem Haus „ad portam“ am Chor von St. Lupus (Schrnsb. 261, S. 37)‘

– Bei den nachfolgenden Schilling, die Fahne zu den v. Rile zählt, handelt es sich nach Berufen und Heiraten mit Töchtern aus landadeligen Familien um Kölner Patriziat, jedoch ist ihr tatsächlicher Zusammenhang mit den Schilling v. Rile nicht erwiesen. Wahrscheinlich ist der folgende ein Sohn Johanns II. und der Druda. (Oder ist er identisch mit Johann, genannt Schilling, Sohn des verstorbenen Nikolaus „de foro ferri“= vom Eisenmarkt, der mit seinen Geschwistern Sophia, Gerard, Gobelinus, Nikolaus und Blitza, 1358 genannt wird, Schrnsb. 129, S. 40, und dessen Onkel Gobelinus, genannt Schilling, ∞Hadewig, 1315 auftritt [s. Schrnsb. 338, S. 6]? Dasselbe gilt von seinem mutmaßlichen Bruder.)
Die Kinder wären dann:
1. ? Johann III, s. unten.
2. ? Wilhelm IV. v. Rile, erwähnt 1369 mit seiner Gattin Gertrud bei einem Kauf (Schrnsb. 174, S. 72). 1368-1372 findet sich ein Wilhelm Schilling ∞ Jutta v. Kessenich und seinem Hof zu Klein-Vernich (Invent. v. Mariengraden. Urk. Nr. 104).

Johann (III. ?) Schilling (nie als v. Rile!), am 11. 7. 1359 als Eigentümer eines Kölner Hauses erwähnt (Schrnsb. I 16, S. 71); mit seiner Gattin Mechtildis hatte er den Sohn:

Johann (IV. ?) Schilling, Findet sich in mehreren Eintragungen ab 20. 3. 1377,und zwar hauptsächlich als Miterbe seiner Gattin, wie an einem Keller in der Weidengasse, an Haus „Krysack“ in der Breite Straße, und mit ihrem Haus Klein-Wassenberg. Vom gleichen Jahre an findet er sich auch mit dem „Dusterhaus“ auch Duisterhuys, als in seinem Besitz, an dem er Hermann v. Bunnenberg (∞ Druda) Anteile sichert. (Die Erbeinsetzung der Kinder Wilhelms II. 1342 ging um Haus „Tuicima“.) Er starb zwischen 10. 6. 1377-1388, am Vorabend von Pauli Bekehr, an welchem Tag seine Gattin ihrem Sohn einen Hausanteil am Duisterhaus gibt (Schrnsb. 18, S. 9, 174 S. 86, 472 S. 37,.480 S. 44).
∞Druda v. Wachgendorf, Tochter des bereits 1348 erwähnten Ehepaares Peter v. Wachgendorf und der Mechtildis.
(∞ b zwischen1377 und 1388 Heinrich v. Wilre);Druda starb vor 6. 12. 1395. als ihr Sohn sie beerbt (Schrnsb. 174,S. 35, 472 S. 71).
Ihre Kinder:
1. Johann (V. ?), s. unten.
2. Catharina, erbt 18. 9. 1426 das Haus „ze der Marten“ in der Stolkgasse, westlich zwischen Ursulastraße und Enggasse, aus dem Nachlaß ihrer Ahnfrau Catharina, Witwe Johannes v. Zudendorf (= Zündorf), vielleicht durch die v. Wachgendorf (Schrnsb.271, S. 77).

Johann (V.?) Schilling erhält 1388, am Vorabend von Pauli Bekehr, von seiner Mutter einen Hausanteil am „Dusterhuis“ übertragen (Schrnsb. 471, S. 71, 86) und findet sich 1390 Samstag nach Lichtmess als „pelliparius“, d. i. Gerber und Kürschner, als er mit seiner Frau eine Erbrente dem Gerhard de Cusino verkauft (Schrnsb. 471, S. 86). Am 6. 10. 1395 erbt er von seinen Eltern Haus „Kryfsack“, Breite Straße (Schrnsb. 319, S. 156), mit dem er 1398 erscheint, als es „Kaufack“ heißt (Schrnsb. po, S. 3), und das er noch im gleichen Jahr verkauft (Schrnsb. 199, S. 155). 1396 findet er sich als Buntwörter, d. h. Pelzhändler (Schrnsb. 48o, S. II 6). Mit all diesen Verkäufen sollte es aber noch nicht genug sein, und endlich sieht er sich am 30. 10. 1408 gezwungen, vor den Amtleuten der Stadt die Absicht kundzutun, „um des Leibes Notdurft und um Schulden willen“ seine Häuser, darunter solche auf dem Büchel, zu verkaufen, und zwar an Catharina ∞ Vays v. Odendorp, anscheinend seine Tochter (Schrnsb. 59. S. 3). Mit seiner ebenfalls Druda heißenden und 1388-1398 mit ihm urkundenden Gattin hatte er die Kinder:
1. Arnold (I.?) Sch., s. unten.
2. ? Catharina (mutmaßlich) 30. 10. 1408 erwähnt, als sie die Häuser ihres Vaters erwirbt, ∞Vays v. Odendorp.

Arnold (I.?) Schilling, verkauft am 6. 9. 1409, wohl in dem Zusammenhang mit dem Verkauf des Vaters im Jahr davor, eine Erbrente (Schrnsb. 59, S. 12). 1411 erscheint er vor dem Amtleutegericht (Kuske, Kölner Handel und Verkehr, III 313). Am 11.1.1411 erwarb er das Haus Roggendorf an der Stesse (J.J.Merlo: D. Meist. d. altköln. Malerschule, S. III), das bei seinen Nachkommen und auch in der anderen Linie, bei den v. Bornheim, eine Rolle spielen sollte. 1411 erwirbt er von Metzgin v. Molenheym eine Erbrente von 34 Mark, und am 15.6.1423 verkauft er an Ritter Johann Overstolz das Haus „Luyffenstein“ (Schrnsb. 191, S. 169, 173), wovon es zwei gab, eines Mathiasstraße 19, das andere Mühlenbach 63. Am selben Tag lässt er sich durch ein Zwangsverfahren in den Besitz des Luyffartzhauses, Holzmarkt 63, einweisen; bei dieser Eintragung findet sich auf dem Rand eine Wappenzeichnung: im Schild drei Turnierkragen. Das scheint auf den Besitz dieses Hauses in Händen der Overstolz oder Lyskirchen, die solch ein Wappen führten, hinzudeuten (Schrnsb. 320, S. 76).
Durch Arnold Schillings Bemühungen wurde an Stelle der 1423 niedergelegten Kirche Herrenleichnam (Corpus Christi), die sich am Ort der heutigen Strafanstalt Klingelpütz befand, „eine größere und schönere Kirche im deutschen Stil“ erbaut, die 1435 geweiht wurde (P. P. Trippen: Von der „Bleche Botz“ zum „Klingelpötz“ i. „Der Neue Tag“, v. 9- 10. 1938, Nr. 277).

Arnold I. starb vor dem 1.9. 1437, denn an diesem Tag beerbt ihn sein Sohn. Seine Gattin Fya (= Sophia) findet sich in allen Eintragungen von 1409 bis 1423; der Sohn aus dieser Ehe ist: Johann (VI.?) Schilling. Dieser erwirbt am 27. 8. 1427 das Haus zum Raven auf dem Alter Markt, zwischen den heutigen Nummern 24-30 und schon 1246 erwähnt. Jedoch am 4. 3. 1452 veräußert er es wieder (Schrnsb. 43, S. 26, 38). 1435 erwirbt er mit seiner Gattin eine Erbrente (Schrnsb. 292, S. 192). Am 1.9.1437 erbt er vom Vater das Haus „Roggendorp“, Große Budengasse 13, das er am 8.11.1437 an Johann v. Kurbecke, Schulmeister der Pfarre St. Laurenz, wieder verkauft (Merlo), wovon es schließlich Stephan Lochner, wie noch folgen wird, kaufen sollte. Damals aber muss sich schon die Beziehung von Johanns Schwiegersohn und dem genannten Maler angebahnt und wohl durch den Hausverkauf befestigt haben. 1442 erscheint Johann VI. als Mitglied der vornehmsten Zunft, der Gewandschneider, was seine Stellung zum Patriziat befestigt (Zunftakten Bd. 486, S. 15, 86, 87). Endlich erbt er noch von seinem Vater einen Anteil am Haus „zum Oeßen“, Heumarkt 28, auch „zum bunten Ochsen“ genannt, und zwar am 5. 7. 1466 (Schrnsb. 97, S. 222, 223), in welchem Haus noch 1591 die Herzogin Maria Eleonore v. Preußen auf der Jülichscher Reise als Herberge einkehrte (Keussen). Am 11.2.1468 erben seine Kinder ein Haus am Alter Markt (Schrnsb. 53, S. 56), was seine letzte Erwähnung ist. – Seine Gattin Styngin, mit der er am 21. 6. 1455 den Kindern sein Backhaus gegenüber dem Fischmarkt vermacht (Schrnsb. 27, S. 192), tritt zuerst in der Eintragung vom 27. 8. 1427 mit ihm zusammen auf, dann in allen anderen (mit Ausnahme seiner Berufserwähnung) bis zum 20. 8. 1465 einschließlich (Schrnsb. 104, S. 87); am 5. 7. 1466 aber ist sie bereits verstorben.

Von der Ketten (G. v. d. Ketten, Genealog. Samml. i. Stadtarch. Bd. IV, S. 495), der übrigens Johann VI. als adeligen „N. v. Schilling“ bringt, wozu eine spätere Hand den Vornamen Johann hinzufügte, nennt seine Gattin „N. v. Velden“, wozu die gleiche Hand den richtigen Vornamen Stina (= Christina) setzte. Stammte sie aus einer adeligen Familie gleichen Namens? – Die Kinder Johanns VI. und der Styngin v. Velden, die sich am 18.6.1465 in ihr Erbe teilen (Kuske IH, 313) sind:
1. Arnold (II.?) Schilling, s. S. 50.
2. Styngin Schilling ∞ Johann Hupe (Hupp, Hupgen). Dieses Ehepaar kommt sehr häufig in den Schreinsbüchern vor, namentlich auch bei den Erbteilungen mit Styngins Geschwistern. Es ist durchaus gerechtfertigt, wenn der Ehegatte „ein sehr wohlhabender Mann“ genannt wird. (J. J. Merlo u. E. Firmenich-Richartz, „Köln. Künstler in alter u. neuer Zeit“, S. 830) Was ihn uns am nächsten rückt, ist seine Stellung zu Stephan Lochner, der als fremder Maler vom Bodensee her nach Köln kam und hier in Johann Hupe einen „Freund“ (Merlo-Firmenich) antraf, der ihm auch in seinen misslichen Vermögensverhältnissen fühlbar aushalf; man darf ihn wohl als ein Mitglied der reichen, kunstfreudigen Bürgerschaft betrachten, der dem Meister ein Mäzen wurde. Diese Beziehung, wie gesagt schon durch Hupes Schwiegervater in die Wege geleitet, in dessen früherem Haus sich Stephan Lochner 1442 ankaufte, nachdem er bereits schon vorher darin wohnte (Merlo-Firmenich), führt dazu, dass Johann Hupe ihm mit Geldmitteln aushilft, als er Haus Roggendorf, schon 1301 erwähnt, veräußert und sich bei der Kirche St. Alban ankauft (s. auch S. 77). Sein neuer Wohnsitz wurden die beiden nebeneinanderliegenden Häuser „zum Carbunkel“ und „zum alden Gryne“; bei deren Abkauf am 18. 10. 1444 half das Ehepaar Hupe mit einem Geldzuschuss, einer Hypothek, aus: Die Belastung des Hauses betrug eine Erbrente von 10 oberländischen Gulden, die Lochner an Hupe abzuzahlen hatte, und wobei er sich das Recht vorbehielt, diese Rente mittels einer Kapitalanlage von 250 Gulden ablösen zu können (Merlo-Firmenich); freilich gestatteten dies der Tod und Lochners Vermögen nicht mehr. (Die Häuser wurden später noch Wohnungen anderer bekannter Maler und Künstler. 1452 wohnt darin der Wappensticker Jakob Wyse, 1453 Hans v. Memmingen, 1508 Johann Voeß, 1535 Barthel Bruyn der ,Ältere und sein gleichnamiger Sohn, der Jüngere.) Styngin Schilling, die mit ihrem Gatten von 1444-1468 urkundet, sollte durch ihre Nachfahren mit manchem berühmten Kölner Geschlecht in Blutsverwandtschaft kommen; ihr Sohn Johann Hupe wurde Bürgermeister der freien Reichsstadt, von dessen Töchtern heiratete Ursula Hermann v. Sudermann, Catharina Johann v. Lyskirchen, der Sohn Johann Anna, Tochter von Bürgermeister Adolph Rink, und die Tochter aus dieser Ehe, Margarethe, den Bürgermeister Balthasar v. Heimbach. – Styngin Schilling ∞ Johann Hupe, dem v. d. Ketten und Fahne übrigens ebenfalls wie seiner Gattin irrig ein „von“ vor den Nachnamen setzten, hatten eine Tochter, Styngin genannt, die Johann Fastard Barn v. Busco, Magister und Ordinarius der juristischen Fakultät an der Universität Köln heiratete. Sie beerbt den Vater in seinen Vollmachten und Sachen zu Brügge, Antwerpen und Herzogenbusch (Urkunde im Pfarrarchiv St. Alban z. Köln v.,6. 10. 1492). 3. Fygin Schilling (Sophia Sch.) ∞ Johann v. Ellner (Eler, Eller) aus einem landadeligen Geschlecht, urkundet mit ihrem Gatten von 1455- 1468 in den Schreinsbüchern. Fahne lässt sie in zweiter Ehe den ebenfalls adeligen Johann v. Glesch heiraten, bei dem seine Stiefkinder v. EIner 1483 auftreten (Kuske III, 313)

Arnold (II.?) erhält nach dem Tode des Vaters eine Reihe Häuser, die noch aus dem Besitz seines Großvaters Arnold I. herrühren; es sind ihm und den Geschwistern am 20. 8. 1465 zugesprochen: Haus „z. Geveroß“, und zwar das kleine Haus, Hohe Straße 150-156 zum Dom hin gelegen, das „Hesgunenhaus“, Gr. Budengasse 15 (neben Haus Roggendorf), Haus Overstolz, Gr. Budengasse zwischen Nr. 2-10, das Haus „Bolenheym“ auf der Gr. Budengasse, anscheinend dicht neben dem Haus „Hesgunen“, Haus „Burke“ Unter Goldschmied 19,21 (worin ein Keller nach St. Laurenz hin war), das Haus z. Krahnen, zwei Häuser neben dem Haus Burke Unter Goldschmied zum Dom hin, und endlich das zur „Stoeven“ auf der gleichen Straße (Schrnsb. 104, S. 96, 97). Dieser Besitz wird unter seinen Geschwistern geteilt, wie auch das am 5. 7. 1466 aus dem gleichen Nachlass erworbene Haus „Bedenkaff“ – ein solches lag in der Faßbindergasse und eines am Heumarkt. Durch seine Gattin stand er, der vor dem 25. 5. 1480 starb, dem Goldschmiedekreis nahe, denn seine Frau Gretgin war die Tochter des Goldschmiedes Johann Windeck v. Worms; dies ergibt sich aus dem Auftreten ihrer Söhne, die am 25.5.1480 Ailheid, Witwe des Johann Windeck, ihre „Möhne“, gleich Großmutter nennen.

Ihre Kinder:

a) Johann (VII.?) Schilling, erbt am 25. 5. 1480 eine Erbrente mit dem Bruder zusammen und überträgt sie mit diesem ihrer „Möhne“ Ailheid, Witwe des Johann Windeck v. Worms (Schrnsb. 53, S. 58, 62). – In Köln soll um 1473 ein Buchdrucker gleichen Namens tätig sein; ein Vermerk in einem um diese Zeit gedruckten Werk des Walafried Strabo „Super Psalterium“ (i. Hause d. Rhein. Heimat, Köln) schreibt dieses ihm zu (M. E. Voulliene „D. Buchdruck Kölns b. z. Ende des 15. Jahrh.“, S. 19, 480, weist der gleichen Druckerei noch ein zweites Werk zu, identifiziert sie aber nicht mit Namen.) .
b) Arnold (III.?) Schilling, 1480 mit dem Bruder, dem verstorbenen Vater und der Mutter erwähnt.